Gänse in die Schweiz

Tierschutzorganisationen fordern konsequentes Importverbot für Stopfleber

24.2.2025

Zürich, 24. Februar 2025 – Die Herstellung von Stopfleber (Foie Gras) bedeutet immenses Tierleid: Enten und Gänsen wird regelmässig gewaltsam mithilfe eines Rohres energiereiches Futter in den Magen gepumpt – eine Brutalität sondergleichen. Während die Zwangsfütterung von Tieren in der Schweiz seit über 40 Jahren als strafbare Tierquälerei gilt, werden entsprechende Produkte weiterhin aus dem Ausland importiert. Der aktuelle Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament zur Stopfleber-Importverbotsinitiative genügt den Tierschutzanforderungen daher nicht und verzögert das dringend erforderliche Importverbot um einige Jahre.

Die Stopfleber-Initiative will die Einfuhr in die Schweiz von Produkten, die aus tierquälerischer Stopfmast stammen, verbieten. GastroSuisse und der Schweizer Fleisch-Fachverband stellen sich gegen das Verbot, ebenso der Bundesrat, der allerdings den Handlungsbedarf erkannt und eine Deklarationspflicht für entsprechende Waren auf den Weg gebracht hat. Die vorgeschlagene Kennzeichnungspflicht bleibt jedoch vage und riskiert, eine Alibi-Übung zu werden.

Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR), der Schweizer Tierschutz STS und VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz erachten die Deklaration als wirkungslose und damit ungeeignete Massnahme. Wer in der Schweiz Foie Gras konsumiert, ist sich in aller Regel sehr wohl darüber bewusst, dass diese unter Zwangsfütterung der Tiere hergestellt wurde. Die Angabe der Zwangsfütterung auf dem Produkt oder der Speisekarte im Restaurant wird den Konsum damit kaum verändern. Der Schweizer Konsum erzeugt im Ausland eine Nachfrage nach Produkten, deren Herstellung in der Schweiz strafbar wäre. Das von der Initiative geforderte Importverbot ist somit die einzige effektive Massnahme und die sich aus dem Rechtssystem ergebende logische Konsequenz.

Die parlamentarische Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) hat am Freitag nun die Stopfleber-Importverbotsinitiative behandelt. Mit einer knappen Mehrheit von 13 zu 12 Stimmen beschliesst die Kommission eine parlamentarische Initiative, die die Ausarbeitung eines indirekten Gegenvorschlags vorsieht. Dieser soll sich auf die vorgesehene Deklarationspflicht stützen, zusätzlich jedoch einfuhrbeschränkende Massnahmen rechtlich verankern, falls der Import von Stopfleber für gewerbsmässige Zwecke fünf Jahre nach Inkrafttreten nicht deutlich zurückgegangen ist.  

STS, TIR und VIER PFOTEN bedauern, dass die nationalrätliche Kommission einem strikten und raschen Importverbot kritisch gegenübersteht. Immerhin scheint sie den Handlungsbedarf aber ebenfalls zu sehen. Die im Gegenvorschlag  vorgesehene Wirkungsprüfung der Kennzeichnung von Stopfleber, verbunden mit weiteren, einfuhrbeschränkenden Massnahmen für den Fall, dass die Deklarationspflicht nicht die gewünschte Wirkung zeigt, sind daher ein wichtiger und richtiger Schritt in die richtige Richtung.  

Langfristig ist das Ziel klar: Ein vollständiges Verbot des Stopfleberimports ist dringend angezeigt. Eine repräsentative Umfrage im Februar 2024 von watson in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut DemoSCOPE zeigt, dass rund 75 % aller Stimmberechtigten in der Schweiz die Initiative für ein Stopfleberverbot unterstützen. Der Druck ist eindeutig – jetzt braucht es politischen Willen, um diesem unsäglichen Tierleid für einen zweifelhaften Genuss endlich ein Ende zu setzen. 

VIER PFOTEN, TIR und STS werden die parlamentarische Diskussion rund um die Initiative und den indirekten Gegenvorschlag genau verfolgen und stehen mit dem Initiativkomitee der Stopfleber-Initiative im Austausch. Dieses entscheidet letztlich über die Aufrechterhaltung der Initiative.  

Oliver Loga

Oliver Loga

Press Manager

oliver.loga@vier-pfoten.org

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Altstetterstrasse 124, 8048 Zürich

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in elf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt.

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